Periodisiertes Training für Einsteiger: Struktur statt Chaos
- Pouya Pourebrahim
- 30. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Warum die meisten Anfänger scheitern
Stell dir vor: Du gehst zum ersten Mal ins Fitnessstudio, voller Motivation und dem Ziel, deinen Traumkörper zu erschaffen. In der ersten Woche trainierst du jeden Tag, machst zufällige Übungen aus YouTube-Videos und wunderst dich, warum nach einem Monat kaum Fortschritte zu sehen sind.
Das Problem? Keine Struktur.
Die meisten Fitness-Anfänger trainieren nach dem Prinzip "mehr ist mehr" – und fragen sich dann, warum sie sich überfordert, verletzt oder frustriert fühlen. Periodisiertes Training ist die Lösung für dieses Chaos. Es ist nicht kompliziert, aber es erfordert Verständnis und Geduld.
In diesem Artikel erfährst du alles über periodisiertes Training für Einsteiger: was es ist, warum es funktioniert und wie du einen einfachen, effektiven Trainingsplan erstellen kannst.
Was ist periodisiertes Training?
Periodisiertes Training bedeutet, dein Trainingsprogramm in klar definierte Phasen aufzuteilen, die jeweils ein bestimmtes Ziel verfolgen. Jede Phase baut auf der vorherigen auf und bereitet dich auf die nächste vor.
Statt zufällig Übungen zu wählen, arbeitest du systematisch daran, verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln:
Phase 1: Beweglichkeit und Bewegungsmuster lernen
Phase 2: Grundkraft aufbauen
Phase 3: Kraftausdauer und Muskelaufbau
Phase 4: Intensität steigern und Plateau vermeiden
Diese Methode wurde ursprünglich für Spitzensportler entwickelt, funktioniert aber genauso gut für Fitness-Anfänger. Sie verhindert Übertraining, minimiert Verletzungsrisiken und sorgt für nachhaltige Fortschritte.
Phase 1: Anlaufphase (Woche 1-4)
Ziel: Körper an Training gewöhnen, Bewegungsmuster erlernen
In den ersten vier Wochen konzentrierst du dich darauf, deinen Körper an regelmäßiges Training zu gewöhnen. Das ist keine Zeit für Höchstleistungen – es geht um Konsistenz und Technik.
Trainingsaufbau:
2-3 Trainingseinheiten pro Woche
Körpergewichtsübungen und leichte Gewichte
Fokus auf korrekte Ausführung
2-3 Sätze pro Übung, 12-15 Wiederholungen
Beispielübungen:
Kniebeugen (aus dem Stand)
Liegestütze (an der Wand oder im Halbknie)
Rudern mit Kurzhanteln
Planks und Dead Bugs für den Core
Wichtig: Höre auf deinen Körper. Leichte Muskelkater sind normal, Schmerzen sind ein Warnsignal.

Phase 2: Grundkraftphase (Woche 5-12)
Ziel: Fundamentale Kraft aufbauen, Gewichte progressiv erhöhen
Nachdem du die Grundbewegungen beherrschst, geht es darum, systematisch Stärke aufzubauen. Du führst grundlegende Übungen ein und erhöhst die Gewichte kontinuierlich.
Trainingsaufbau:
3 Trainingseinheiten pro Woche (Full-Body)
3-4 Sätze pro Übung, 8-12 Wiederholungen
Gewichte so wählen, dass die letzten 2 Wiederholungen schwer sind
60-90 Sekunden Pause zwischen den Sätzen
Kernübungen für diese Phase
Übung | Zielmuskulatur |
Kniebeugen | Beinbeuger, Gesäß, Oberschenkel |
Klimmzüge (oder Lat-Zug) | Rücken, Bizeps |
Bankdrücken | Brust, Trizeps, Schultern |
Kreuzheben (RDL) | Gesäß, hintere Oberschenkel, Rücken |
Overhead-Press | Schultern, Trizeps |
Progression: Erhöhe das Gewicht, wenn du alle Sätze mit korrekter Technik schaffst. Kleinere Schritte (1,25-2,5 kg) sind besser als keine Progression.

Phase 3: Hypertrophie-Phase (Woche 13-20)
Ziel:Muskelmasse aufbauen, Volumen erhöhen
Jetzt, da du eine solide Kraftbasis hast, kannst du dich auf Muskelaufbau konzentrieren. Das bedeutet mehr Sets, mehr Übungen und eine höhere Trainingsfrequenz.
Trainingsaufbau:
3-4 Trainingseinheiten pro Woche (Split: Oberkörper/Unterkörper oder Push/Pull/Legs)
3-4 Sätze pro Übung, 8-15 Wiederholungen
Kürzere Pausen (45-60 Sekunden) für Pump-Übungen
Längere Pausen (90-120 Sekunden) für schwere Grundübungen
Split-Beispiel (4 Tage):
Tag 1 – Push (Brust, Schultern, Trizeps):
- Bankdrücken: 4x8
- Schrägbankdrücken: 3x10
- Overhead-Press: 3x10
- Trizeps-Dips: 3x12
Tag 2 – Pull (Rücken, Bizeps):
- Klimmzüge: 4x8
- Rudern: 4x10
- Face Pulls: 3x15
- Bizeps-Curls: 3x12
Tag 3 – Beine (Tag A):
- Kniebeugen: 4x8
- Ausfallschritte: 3x10 pro Bein
- Wadenheben: 4x15
Tag 4 – Beine (Tag B):
- Kreuzheben: 4x8
- Beinpresse: 3x12
- Beinbeuger: 3x12

Phase 4: Intensitätsphase (Woche 21-24)
Ziel:Stagnation vermeiden, neue Herausforderungen
Nach etwa fünf Monaten regelmäßigem Training wirst du merken, dass Fortschritte langsamer werden. Das ist normal! In dieser Phase variierst du die Intensität und fügst neue Reize hinzu.
Methoden für mehr Intensität:
1. Drop Sets: Nach dem letzten Satz sofort Gewicht abnehmen und weiter trainieren
2. Supersets: Zwei Übungen direkt hintereinander ohne Pause
3. Tempo-Variationen: Langsames Absenken (3-4 Sekunden) der Last
4. Gewichtserhöhung: Schwerere Gewichte mit weniger Wiederholungen (5-6)
5. Trainingspause (Deload): Eine Woche mit reduziertem Volumen (50%)
Beispiel für einen intensiven Push-Tag:
Superset 1:
- Bankdrücken: 4x6 (schwer)
- Klimmzüge (Drop down) 10-8-6
Superset 2:
- Overhead-Press: 3x8
- Seitheben: 3x12 (langsames Tempo)
Finisher:
- Trizeps-Überkopf: 3x am Fallen (bis zum Muskelversagen)

Die Grundprinzipien der Periodisierung
1. Progressive Überlastung
Das Geheimnis des Muskelaufbaus liegt in der kontinuierlichen Steigerung der Trainingsreize. Das kann bedeuten:
Mehr Gewicht heben
Mehr Wiederholungen schaffen
Mehr Sets machen
Kürzere Pausen einlegen
Schwierigere Übungsvarianten wählen
Regel: Wenn etwas leicht wird, ist es Zeit für die nächste Steigerung.
2. Variation ohne Chaos
Periodisierung bedeutet nicht, jede Woche alles zu ändern. Strukturierte Variation ist der Schlüssel:
Mikrozycle (1 Woche): Kleine Anpassungen, z.B. Gewichtserhöhung
Mesozycle (4-6 Wochen): Phasenwechsel mit klarem Ziel
Makrozycle (6-12 Monate): Langfristige Planung deiner Fitnessreise
Tipp: Ändere maximal 10-20% deines Programms pro Mesozycle. Halte die Kernübungen konstant.
3. Erholung ist Training
Viel zu wenig übersehen Einsteiger: Muskeln wachsen nicht im Studio, sondern in der Erholung.
Erholungsfaktoren:
Schlaf: 7-9 Stunden pro Nacht (Hormone, Regeneration)
Ernährung: Genug Protein (1,6-2,2g pro kg Körpergewicht)
Ruhetage: Mindestens 1-2 Tage pro Woche ohne Krafttraining
Deload-Wochen: Alle 4-6 Wochen eine Woche mit 50% Volumen
Häufige Fehler von Einsteigern (und wie du sie vermeidest)
Fehler | Lösung |
Zu schnell zu schweren Gewichten | Technik vor Gewicht – schwerer ist nicht immer besser |
eine Fortschrittsaufzeichnung | Trainingstagebuch führen |
Zu viele Übungen pro Tag | 5-7 Übungen reichen für Anfänger |
Keine Pausen zwischen den Sätzen | Pausen sind Teil des Plans |
Vergessen, zu essen | Training ohne Ernährung = verschwendete Energie |
Übertraining | 3-4 Tage pro Woche reichen für Anfänger |
Fazit: Struktur führt zum Ziel
Periodisiertes Training ist kein Luxus für Fortgeschrittene – es ist die beste Methode für Einsteiger, um nachhaltige Fortschritte zu machen. Du lernst deinen Körper kennen, vermeidest Verletzungen und bleibst motiviert, weil du regelmäßig Erfolge siehst.
Die wichtigste Regel: Sei geduldig. Fitness ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit Struktur, Konsistenz und dem richtigen Plan wirst du Ergebnisse sehen, die du dir nie hättest vorstellen können.

Super Beitrag, logisch und macht total Sinn. Personal Training finde ich immer sehr hilfreich. Vor allem, wenn man Jahre eher ziellos, unstrukturiert und teils falsch in der Ausführung trainiert hat, dazu die qualitativ gute Beratung fehlte!
Sehr spannend und aufschlussreich. Vor allem für mich als Anfängerin hilft es, da ich häufig zu übermotiviert starte. Da ist es gut einen Personaltrainer zu haben der einem hilft, den Fokus zu behalten.