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Periodisiertes Training für Einsteiger: Struktur statt Chaos

Fitnessreise Graphik

Warum die meisten Anfänger scheitern


Stell dir vor: Du gehst zum ersten Mal ins Fitnessstudio, voller Motivation und dem Ziel, deinen Traumkörper zu erschaffen. In der ersten Woche trainierst du jeden Tag, machst zufällige Übungen aus YouTube-Videos und wunderst dich, warum nach einem Monat kaum Fortschritte zu sehen sind.


Das Problem? Keine Struktur.


Die meisten Fitness-Anfänger trainieren nach dem Prinzip "mehr ist mehr" – und fragen sich dann, warum sie sich überfordert, verletzt oder frustriert fühlen. Periodisiertes Training ist die Lösung für dieses Chaos. Es ist nicht kompliziert, aber es erfordert Verständnis und Geduld.


In diesem Artikel erfährst du alles über periodisiertes Training für Einsteiger: was es ist, warum es funktioniert und wie du einen einfachen, effektiven Trainingsplan erstellen kannst.


Was ist periodisiertes Training?


Periodisiertes Training bedeutet, dein Trainingsprogramm in klar definierte Phasen aufzuteilen, die jeweils ein bestimmtes Ziel verfolgen. Jede Phase baut auf der vorherigen auf und bereitet dich auf die nächste vor.


Statt zufällig Übungen zu wählen, arbeitest du systematisch daran, verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln:


Phase 1: Beweglichkeit und Bewegungsmuster lernen

Phase 2: Grundkraft aufbauen

Phase 3: Kraftausdauer und Muskelaufbau

Phase 4: Intensität steigern und Plateau vermeiden


Diese Methode wurde ursprünglich für Spitzensportler entwickelt, funktioniert aber genauso gut für Fitness-Anfänger. Sie verhindert Übertraining, minimiert Verletzungsrisiken und sorgt für nachhaltige Fortschritte.


Phase 1: Anlaufphase (Woche 1-4)


Ziel: Körper an Training gewöhnen, Bewegungsmuster erlernen


In den ersten vier Wochen konzentrierst du dich darauf, deinen Körper an regelmäßiges Training zu gewöhnen. Das ist keine Zeit für Höchstleistungen – es geht um Konsistenz und Technik.


Trainingsaufbau:

  • 2-3 Trainingseinheiten pro Woche

  • Körpergewichtsübungen und leichte Gewichte

  • Fokus auf korrekte Ausführung

  • 2-3 Sätze pro Übung, 12-15 Wiederholungen


Beispielübungen:

  • Kniebeugen (aus dem Stand)

  • Liegestütze (an der Wand oder im Halbknie)

  • Rudern mit Kurzhanteln

  • Planks und Dead Bugs für den Core


Wichtig: Höre auf deinen Körper. Leichte Muskelkater sind normal, Schmerzen sind ein Warnsignal.


Ablaufphase des Trainings


Phase 2: Grundkraftphase (Woche 5-12)


Ziel: Fundamentale Kraft aufbauen, Gewichte progressiv erhöhen


Nachdem du die Grundbewegungen beherrschst, geht es darum, systematisch Stärke aufzubauen. Du führst grundlegende Übungen ein und erhöhst die Gewichte kontinuierlich.


Trainingsaufbau:

3 Trainingseinheiten pro Woche (Full-Body)

3-4 Sätze pro Übung, 8-12 Wiederholungen

Gewichte so wählen, dass die letzten 2 Wiederholungen schwer sind

60-90 Sekunden Pause zwischen den Sätzen


Kernübungen für diese Phase

Übung 

Zielmuskulatur 

Kniebeugen 

Beinbeuger, Gesäß, Oberschenkel 

Klimmzüge (oder Lat-Zug)

Rücken, Bizeps 

Bankdrücken 

Brust, Trizeps, Schultern 

Kreuzheben (RDL)

Gesäß, hintere Oberschenkel, Rücken

Overhead-Press 

Schultern, Trizeps

Progression: Erhöhe das Gewicht, wenn du alle Sätze mit korrekter Technik schaffst. Kleinere Schritte (1,25-2,5 kg) sind besser als keine Progression.


Grundkraftphase


Phase 3: Hypertrophie-Phase (Woche 13-20)


Ziel:Muskelmasse aufbauen, Volumen erhöhen


Jetzt, da du eine solide Kraftbasis hast, kannst du dich auf Muskelaufbau konzentrieren. Das bedeutet mehr Sets, mehr Übungen und eine höhere Trainingsfrequenz.


Trainingsaufbau:

  • 3-4 Trainingseinheiten pro Woche (Split: Oberkörper/Unterkörper oder Push/Pull/Legs)

  • 3-4 Sätze pro Übung, 8-15 Wiederholungen

  • Kürzere Pausen (45-60 Sekunden) für Pump-Übungen

  • Längere Pausen (90-120 Sekunden) für schwere Grundübungen


Split-Beispiel (4 Tage):


Tag 1 – Push (Brust, Schultern, Trizeps):

- Bankdrücken: 4x8

- Schrägbankdrücken: 3x10

- Overhead-Press: 3x10

- Trizeps-Dips: 3x12


Tag 2 – Pull (Rücken, Bizeps):

- Klimmzüge: 4x8

- Rudern: 4x10

- Face Pulls: 3x15

- Bizeps-Curls: 3x12


Tag 3 – Beine (Tag A):

- Kniebeugen: 4x8

- Ausfallschritte: 3x10 pro Bein

- Wadenheben: 4x15


Tag 4 – Beine (Tag B):

- Kreuzheben: 4x8

- Beinpresse: 3x12

- Beinbeuger: 3x12


Hypertrophie-Trainingspyramide


Phase 4: Intensitätsphase (Woche 21-24)


Ziel:Stagnation vermeiden, neue Herausforderungen


Nach etwa fünf Monaten regelmäßigem Training wirst du merken, dass Fortschritte langsamer werden. Das ist normal! In dieser Phase variierst du die Intensität und fügst neue Reize hinzu.


Methoden für mehr Intensität:


1. Drop Sets: Nach dem letzten Satz sofort Gewicht abnehmen und weiter trainieren

2. Supersets: Zwei Übungen direkt hintereinander ohne Pause

3. Tempo-Variationen: Langsames Absenken (3-4 Sekunden) der Last

4. Gewichtserhöhung: Schwerere Gewichte mit weniger Wiederholungen (5-6)

5. Trainingspause (Deload): Eine Woche mit reduziertem Volumen (50%)


Beispiel für einen intensiven Push-Tag:

Superset 1:

- Bankdrücken: 4x6 (schwer)

- Klimmzüge (Drop down) 10-8-6


Superset 2:

- Overhead-Press: 3x8

- Seitheben: 3x12 (langsames Tempo)


Finisher:

- Trizeps-Überkopf: 3x am Fallen (bis zum Muskelversagen)


Intensitätphase im trainingsplan

Die Grundprinzipien der Periodisierung


1. Progressive Überlastung

Das Geheimnis des Muskelaufbaus liegt in der kontinuierlichen Steigerung der Trainingsreize. Das kann bedeuten:

  • Mehr Gewicht heben

  • Mehr Wiederholungen schaffen

  • Mehr Sets machen

  • Kürzere Pausen einlegen

  • Schwierigere Übungsvarianten wählen


Regel: Wenn etwas leicht wird, ist es Zeit für die nächste Steigerung.


2. Variation ohne Chaos

Periodisierung bedeutet nicht, jede Woche alles zu ändern. Strukturierte Variation ist der Schlüssel:


  • Mikrozycle (1 Woche): Kleine Anpassungen, z.B. Gewichtserhöhung

  • Mesozycle (4-6 Wochen): Phasenwechsel mit klarem Ziel

  • Makrozycle (6-12 Monate): Langfristige Planung deiner Fitnessreise


Tipp: Ändere maximal 10-20% deines Programms pro Mesozycle. Halte die Kernübungen konstant.


3. Erholung ist Training

Viel zu wenig übersehen Einsteiger: Muskeln wachsen nicht im Studio, sondern in der Erholung.


Erholungsfaktoren:

  • Schlaf: 7-9 Stunden pro Nacht (Hormone, Regeneration)

  • Ernährung: Genug Protein (1,6-2,2g pro kg Körpergewicht)

  • Ruhetage: Mindestens 1-2 Tage pro Woche ohne Krafttraining

  • Deload-Wochen: Alle 4-6 Wochen eine Woche mit 50% Volumen


Häufige Fehler von Einsteigern (und wie du sie vermeidest)

Fehler

Lösung

Zu schnell zu schweren Gewichten

Technik vor Gewicht – schwerer ist nicht immer besser

eine Fortschrittsaufzeichnung

Trainingstagebuch führen 

Zu viele Übungen pro Tag

5-7 Übungen reichen für Anfänger

Keine Pausen zwischen den Sätzen 

Pausen sind Teil des Plans

Vergessen, zu essen 

Training ohne Ernährung = verschwendete Energie

Übertraining

3-4 Tage pro Woche reichen für Anfänger


Fazit: Struktur führt zum Ziel


Periodisiertes Training ist kein Luxus für Fortgeschrittene – es ist die beste Methode für Einsteiger, um nachhaltige Fortschritte zu machen. Du lernst deinen Körper kennen, vermeidest Verletzungen und bleibst motiviert, weil du regelmäßig Erfolge siehst.


Die wichtigste Regel: Sei geduldig. Fitness ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit Struktur, Konsistenz und dem richtigen Plan wirst du Ergebnisse sehen, die du dir nie hättest vorstellen können.


2 Kommentare


doreen.jung
30. Dez. 2025

Super Beitrag, logisch und macht total Sinn. Personal Training finde ich immer sehr hilfreich. Vor allem, wenn man Jahre eher ziellos, unstrukturiert und teils falsch in der Ausführung trainiert hat, dazu die qualitativ gute Beratung fehlte!

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Sophia Pourebrahim
Sophia Pourebrahim
30. Dez. 2025

Sehr spannend und aufschlussreich. Vor allem für mich als Anfängerin hilft es, da ich häufig zu übermotiviert starte. Da ist es gut einen Personaltrainer zu haben der einem hilft, den Fokus zu behalten.

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